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Lernen mit Karteikarten: So schreibst und nutzt du sie richtig

Vom Braintoll-Team · · 7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Beim Lernen mit Karteikarten zählt vor allem, dass du antwortest, bevor du umdrehst. Lern mit einem großen Stapel, sortier Karten nicht nach einer richtigen Antwort aus und wiederhole über mehrere Tage, zum Beispiel mit einer Lernkartei oder einer App. Schreib auf jede Karte eine konkrete Frage und eine kurze Antwort in deinen eigenen Worten, und teil lange Aufzählungen auf mehrere Karten auf. Selbst geschriebene Karten schneiden in Studien meist besser ab als fertige, außer du kopierst nur.

Illustration: ein Bleistift auf einer leeren Karteikarte, daneben ein kleiner Stapel beschriebener Karten
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Es geht hier um Lernkarten für Schule, Ausbildung und Studium, nicht um Moderationskarten für Vorträge.

Viele lernen mit Karteikarten so: Karte ansehen, umdrehen, „wusste ich“, nächste Karte. Das fühlt sich schnell und produktiv an, ist aber kaum mehr als Lesen in kleinen Portionen. Wirksam werden Karteikarten erst, wenn du die Antwort aus dem Gedächtnis holen musst. Dazu braucht es zwei Dinge: die richtige Art zu lernen und Karten, die sich überhaupt abfragen lassen.

Richtig lernen mit Karteikarten

Experimente mit Studierenden zeigen, was hilft und was sich nur gut anfühlt:

  1. Erst antworten, dann umdrehen. Sag oder schreib die Antwort, bevor du nachsiehst. Wer sofort umdreht, liest nur. Warum die Anstrengung zählt, erklärt der Ratgeber zu Active Recall.
  2. Lieber ein großer Stapel als viele kleine. Nate Kornell hat das 2009 untersucht: Bei 90 Prozent der Teilnehmenden brachte ein großer Stapel mehr als mehrere kleine, die nacheinander dran waren. Nach der ersten Runde glaubten trotzdem 72 Prozent das Gegenteil. Kleine Stapel fühlen sich besser an, weil man schneller durch ist.
  3. Karten nicht nach einer richtigen Antwort aussortieren. In Versuchen von Kornell und Robert Bjork lernten Studierende, die vermeintlich gekonnte Karten beiseitelegen durften, etwas weniger als die, die alle weiter durchgingen. Heute gewusst heißt nicht, dass du es nächsten Monat noch weißt.
  4. Über mehrere Tage verteilen. Eine Wiederholung nach ein paar Tagen bringt mehr als die nächste Runde heute. Wie du das planst, zeigen die Ratgeber zu Spaced Repetition und zum Lernplan.
  5. Ehrlich bewerten. „Hätte ich fast gewusst“ heißt: nicht gewusst.

Die Lernkartei: Karteikarten nach dem Leitner-System

Auf Papier übernimmt ein Karteikasten den Plan. Das System geht auf Sebastian Leitner zurück und arbeitet meist mit fünf Fächern:

  • Neue Karten kommen in Fach 1.
  • Weißt du die Antwort, wandert die Karte ein Fach weiter.
  • Weißt du sie nicht, geht sie zurück in Fach 1.
  • Fach 1 wiederholst du am häufigsten, zum Beispiel täglich, die hinteren immer seltener.

So siehst du schwierige Karten oft und sichere nur noch ab und zu, ohne Termine verwalten zu müssen. Apps machen dasselbe automatisch und feiner abgestuft.

Karteikarten richtig schreiben: 8 Regeln

Die Regeln stützen sich auf die bekannten „20 Regeln“ von Piotr Woźniak und auf Studien zum Lernen mit Karteikarten.

1. Erst verstehen, dann schreiben

Karteikarten helfen dir, Verstandenes zu behalten. Zum Verstehen selbst taugen sie wenig. Bei Woźniak steht das ganz oben: Lerne nichts, was du nicht verstanden hast. Lies also erst das Kapitel oder hör die Vorlesung und schreib danach die Karten.

2. Eine Information pro Karte

Fragt eine Karte nach mehreren Dingen, erinnerst du dich an einen Teil und zählst sie trotzdem als gewusst.

Vorderseite Rückseite
Vorher Was weißt du über Mitochondrien? Ein Absatz zu Aufbau, Funktion und DNA
Nachher Was stellen Mitochondrien vor allem her? ATP

3. Eine konkrete Frage stellen

Ein bloßes Thema auf der Vorderseite sagt dir nicht, was du abrufen sollst. Eine gute Frage hat genau eine richtige Antwort.

Vorderseite Rückseite
Vorher Französische Revolution Lange Zusammenfassung von Ursachen und Ablauf
Nachher An welchem Tag wurde die Bastille gestürmt? 14. Juli 1789

4. In eigenen Worten schreiben

In Experimenten unter Leitung von Steven Pan, 2023 veröffentlicht, schnitten Studierende am besten ab, die den Stoff für ihre Karten umformulierten. Wer nur kopierte, hatte vom Selbermachen keinen deutlichen Vorteil. Beim Umformulieren musst du darüber nachdenken, was ein Satz bedeutet.

Vorderseite Rückseite
Vorher Definiere Opportunitätskosten. Satz aus dem Lehrbuch, wörtlich abgeschrieben
Nachher Was sind die Opportunitätskosten, wenn ich A statt B wähle? Das, was mir entgeht, weil ich B nicht nehme

5. Lange Aufzählungen aufteilen

Aufzählungen lassen sich als Ganzes schlecht merken, Woźniak rät davon ab. Teil sie auf Karten auf, die jeweils nach einem Teil fragen.

Vorderseite Rückseite
Vorher Nenne alle 12 Hirnnerven. Die ganze Liste
Nachher Welcher Hirnnerv steuert die Gesichtsmuskeln? VII, der Nervus facialis

Musst du die Liste wirklich in der richtigen Reihenfolge können, nimm zusätzlich eine Eselsbrücke oder übe sie als Abfolge.

6. Warum und wie fragen, nicht nur was

Ohne Anleitung schreiben die meisten Karten zu Details. In einer Studie von Chunliang Lin und Kollegen von 2018 gingen mehr Karten zu Konzepten mit besseren Testergebnissen einher. Verlangt deine Prüfung Erklärungen, sollten deine Karten das auch tun.

Vorderseite Rückseite
Vorher Inflation Steigende Preise
Nachher Warum bremsen höhere Leitzinsen meist die Inflation? Kredite werden teurer, also geben Menschen und Firmen weniger aus

7. Ähnliches auseinanderhalten

Was sich ähnelt, verwechselt man leicht. Woźniak nennt das Interferenz und hält es für wohl die häufigste Ursache des Vergessens. Geraten zwei Karten immer wieder durcheinander, ergänz etwas, das sie unterscheidet.

Vorderseite Rückseite
Vorher to become werden
Nachher „to become“ heißt nicht „bekommen“, sondern …? werden

8. Vokabeln mit Kontext lernen

Viele Wörter haben mehrere Bedeutungen. Ein kurzer Satz zeigt, welche du gerade lernst und wie man das Wort benutzt.

Vorderseite Rückseite
Vorher to run laufen
Nachher She runs a small company. Was heißt „runs“ hier? leitet, führt

Mehr Methoden für Wörter stehen im Ratgeber Vokabeln lernen.

Karteikarten selbst schreiben oder fertige nehmen?

Selbst schreiben lohnt sich meist, wenn du die Zeit hast. In den Experimenten von Pan schnitten Studierende mit eigenen Karten in fünf von sechs Versuchen besser ab als mit fertigen, typischerweise um etwa 10 Prozent im Test. Einig ist sich die Forschung allerdings nicht: In der oben genannten Studie von Lin brachte das Selbermachen allgemein keinen Vorteil, auch wenn diese Studierenden länger lernten.

Fertige Sets haben noch ein Risiko: Sie können Fehler enthalten, und solange du das Fach nicht beherrschst, fällt dir das nicht auf. Prüf solche Karten am Skript und schreib die um, die dir nichts sagen.

Und KI-Karten? Die genannten Studien haben KI-Karten nicht getestet, belastbar vergleichen kann sie also niemand. Unsere eigene App erstellt Karten per KI, lies das also als Aussage eines Anbieters: Das spart Stunden an Tipparbeit und hilft, wenn du sonst gar keine Karten hättest. Lies aber jeden Entwurf, lösch, was du nicht brauchst, und formulier die wichtigen Karten in deinen eigenen Worten um. Wie das mit dem Skript geht, zeigt der Ratgeber PDF in Karteikarten umwandeln.

Karteikarten auf Papier oder per App?

Pan hat Papier und digitale Karten nicht direkt verglichen. Entscheidend scheint zu sein, dass du über den Inhalt der Karte nachdenkst, und das geht mit beidem.

Papier App
Gut für Skizzen, Formeln, Lernen ohne Ablenkung Wiederholungsplan, große Stapel, immer dabei
Wiederholungen Von Hand, mit Lernkartei Automatisch
Schwachstelle Kostet Zeit und Platz Das Handy lenkt selbst ab

Für Papier gibt es kostenlose Karteikarten-Vorlagen zum Ausdrucken als Word und PDF. Welche Apps infrage kommen, zeigt der Vergleich der Karteikarten-Apps. Wie sich Karteikarten im Vergleich zu anderen Methoden schlagen, steht im Faktencheck zu Lernmethoden.

Kurze Karten passen in kurze Momente

Karten nach diesen Regeln dauern nur ein paar Sekunden. Damit passen sie in kleine Lücken, und darauf baut Braintoll auf: Die App zeigt ein paar deiner Karten, wenn du eine App öffnest, die du gesperrt hast, etwa Instagram oder TikTok. Beantworte sie, bewerte genug davon mit „Leicht“, und die App öffnet sich für die eingestellte Zeit. Jede Karte kommt nach einem Spaced-Repetition-Plan wieder, du musst also weder Wiederholungen planen noch dich extra hinsetzen.

Karten schreibst du in der App, startest mit einem fertigen Set, importierst ein Anki-Deck samt Lernstand oder lässt die KI Entwürfe aus Thema, Text oder PDF erstellen. Braintoll zeigt nur Text. Skizzen und Lückentexte bleiben also besser in Anki oder auf Papier. Für eine App ist Braintoll kostenlos, mit beliebig vielen Karten, für Android und iPhone.

Häufige Fragen

Wie lernt man am besten mit Karteikarten?

Beantworte jede Karte, bevor du sie umdrehst, lern mit einem großen Stapel statt mit vielen kleinen und sortier Karten nicht nach der ersten richtigen Antwort aus. Verteil die Wiederholungen auf mehrere Tage, von Hand mit einer Lernkartei oder automatisch mit einer App.

Was schreibt man auf Karteikarten?

Vorn eine konkrete Frage, hinten eine kurze Antwort in deinen eigenen Worten. Du solltest sie in wenigen Sekunden abrufen können. Brauchst du dafür einen ganzen Absatz, teil den Stoff auf mehrere Karten auf. Bei Vokabeln hilft ein kurzer Beispielsatz.

Sind selbst geschriebene Karteikarten besser als fertige?

Meist ja. In einer Reihe von sechs Experimenten schnitten Studierende mit eigenen Karten in fünf davon besser ab als mit fertigen, typischerweise um etwa 10 Prozent. Reines Kopieren brachte keinen deutlichen Vorteil, Umformulieren am meisten. Allerdings kam nicht jede Studie zu diesem Ergebnis.

Wie viele Karteikarten sollte man schreiben?

So viele, wie du einzelne Informationen behalten musst, und nicht mehr. Schreib nicht das ganze Kapitel ab, sondern fang mit dem an, was wahrscheinlich drankommt und was du immer wieder vergisst. Eine bewiesene beste Zahl gibt es nicht. Zehn gute Karten bringen aber mehr als fünfzig, die du nie schaffst.

Wie funktioniert das Lernen mit dem Karteikasten?

Neue Karten kommen ins erste Fach. Weißt du die Antwort, wandert die Karte ein Fach weiter, sonst zurück ins erste. Das erste Fach wiederholst du am häufigsten, die hinteren immer seltener. So siehst du schwierige Karten oft und sichere nur noch selten. Das Verfahren heißt Leitner-System.

Braintoll steht in keiner Verbindung zu Anki. Alle Produktnamen sind Eigentum ihrer jeweiligen Inhaber.

Mach deinen nächsten Griff zum Handy sinnvoll.

Braintoll stellt ein paar Lernkarten zwischen dich und die Apps, die deine Aufmerksamkeit fressen — so lernst du bei jedem reflexhaften Öffnen etwas dazu.